Vortrag Alltagsrassismus

Vortrag Alltagsrassismus

Es gibt viele Themen, über die redet man am liebsten gar nicht. Sie sind in vielerlei Hinsicht so unangenehm, dass es am bequemsten scheint, wenn man schweigt und ihre Existenz gar nicht wahrhaben möchte. Eines dieser Themen ist Alltagsrassismus. Das Problem: Alltagsrassismus und gruppenbezogene Diskriminierung werden nicht einfach verschwinden, wenn das Problem nicht an den systemischen Wurzeln gepackt wird.

Um Alltagsrassismus entschieden und gezielt entgegenzutreten, hat das EvGBM am 21.05.2026 den renommierten Rassismusforscher Prof. Dr. Karim Fereidooni eingeladen. Der Experte der Ruhr-Universität Bochum ist nicht nur Professor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung und Autor, sondern seit 2020 auch Mitglied der Kabinettskommission der Bundesregierung zur Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus sowie des Unabhängigen Expertenkreises Muslimfeindlichkeit des Bundesinnenministeriums.

Schulleiter Dirk Weigand begrüßte den hochkarätigen Redner mit einer kurzen Einleitung in das Thema, in der er darauf hinwies, an wie vielen Stellen Alltagsrassismus in unserer Gesellschaft vorkommt.

Der etwa einstündige Vortrag versetzte die Gäste – zahlreiche Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und eine Vielzahl von Besuchern hatte sich in der Mensa des EvGBM eingefunden – auf den neuesten Forschungsstand zum Thema Rassismus und gruppenbezogene Ungleichheitsstrukturen.

Den Anfang machte Fereidooni mit der grundlegenden Definition von Rassismus – in der Geschichte und heute – und legte so den Grundstein für das Verständnis, wie Rassismus und Diskriminierung das Leben beeinflussen können. Er stellte klar: „Rassismus ist erlernt“ und ist keine Eigenschaft, die im Menschen von Natur aus angelegt ist. Um den Teufelskreis von Rassismus und Diskriminierung zu durchbrechen, müssen also alle Teile der Gesellschaft – auch und besonders die, die selbst keine Diskriminierung erfahren – die Lebensrealität der anderen kennenlernen und sich solidarisch zeigen. Nur gemeinsam können Rassismus und Diskriminierung erfolgreich bekämpft werden.

Da Rassismus in unserer Gesellschaft leider allzu gegenwärtig ist – bestätigt zum Beispiel durch die Mitte-Studie von 2023 – empfahl Fereidooni allen Anwesenden, sich selbst die Frage zu stellen: „Was hat Rassismus mir beigebracht, obwohl ich nicht rassistisch sein möchte?“ Denn nur mit Selbstreflexion können die „Lernchancen in Bezug auf Rassismus“ genutzt werden.

Zum Ende des Vortrags gab der Experte dem EvGBM noch einige Ideen mit auf den Weg, um als Institution Schule den Kampf gegen Rassismus erfolgreich fortzusetzen, wie zum Beispiel das Einrichten einer Antidiskriminierungsstelle an der Schule, die Entwicklung einer Antirassismusstrategie, oder die Durchführung von regelmäßigen Fortbildungen.

Abgeschlossen wurde der Abend durch eine Frage- und Diskussionsrunde der Gäste mit Prof. Dr. Karim Fereidooni, in der der Experte Rede und Antwort stand zu allen Fragen rund um Rassismus und gruppenbezogene Diskriminierung im Kontext der Schule.

Die Schulgemeinschaft bedankt sich herzlich bei Prof. Dr. Karim Fereidooni für den Vortrag am EvGBM, bei der Schulleitung für die Organisation des Abends, beim Förderverein des EvGBM für die finanzielle Unterstützung der Veranstaltung und Patrick Pieritz für die Veranstaltungstechnik.