Flüchtlingsarbeit

FLÜCHTLINGE AM EVANGELISCHEN GYMNASIUM BAD MARIENBERG

„Ich bin ein Fremder (…) und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt. 25, 43)

„Jeder Mensch [ist] (…) ein einzigartiger Gedanke Gottes. Dabei achten wir jeden Menschen als Ebenbild Gottes in seiner Einzigartigkeit, in seiner Würde und in seiner Religiosität. Für uns konkretisiert sich das christliche Menschenbild in der inklusiven Verwirklichung der Verschiedenheit und der individuellen Förderung, gemäß der vorbehaltlosen Zuwendung Gottes zu allen Menschen.“

Weil dieses Bekenntnis zum christlichen Glauben nicht nur auf dem Papier stehen, sondern mit Inhalten und Taten gefüllt werden soll, war es uns im September 2015 ein Bedürfnis, Flüchtlinge willkommen zu heißen und aufzunehmen. Es ist ein Gebot der Humanität und ein Zeichen christlicher Verantwortung.

Mit dieser Botschaft wenden wir uns auch an die Menschen in und um Bad Marienberg, um ein Zeichen zu setzen: Schule kann und soll (!) nicht Bildung ohne gesellschaftlichen Zusammenhang vermitteln. Das Evangelische Gymnasium Bad Marienberg möchte christliche Nächstenliebe und soziale wie kulturelle Werte weitergeben – unabhängig von Herkunft, Kultur und Religiosität.

Auf dieser Basis gab es eine Konsensentscheidung ALLER Beteiligten in der EKHN, der Geschäftsführung, Schulleitung, Lehrerschaft und aller anderen Mitarbeiter des Evangelischen Gymnasiums Bad Marienberg, junge Flüchtlinge als Schulpraktikanten und Schüler aufzunehmen und somit einen wichtigen Beitrag zur Integration zu leisten.

Als Ansprechpartner stehen Ihnen Herr Wetzel und Herr Zöller gerne zur Verfügung.

Aktuelle Informationen aus unserer Flüchtlingsarbeit

Rückblick 2019

Gemäß dem Erlass „Förderung von Bildungserfolg und Teilhabe von SchülerInnen nicht-deutscher Herkunftssprache“, bei denen Deutsch nicht die Herkunftssprache mindestens eines Elternteils ist, soll den SchülerInnen ein höchstmöglicher Bildungserfolg ermöglicht werden. Dies bedeutet, dass beim Erwerb und der Erweiterung der sprachlichen Handlungsfähigkeit in der deutschen Sprache, die Grundlage für eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht gebildet wird. Dies soll zu einer gleichberechtigten schulischen, beruflichen und gesellschaftlichen Teilhabe führen.

Dabei ist unserem Gymnasium bewusst, dass die Fähigkeit der Mehrsprachigkeit eine Bereicherung des Schullebens darstellt, als gesellschaftliche Ressource verstanden wird und Würdigung und Förderung erfahren soll.

Deutsch als Zweitsprache dient nicht in erster Linie der Vermittlung von abstraktem, grammatikalischem Wissen.

Es gilt vielmehr einen altersangemessen Wortschatz zu entwickeln, Probleme bei der Begriffsbildung abzubauen und die deutsche Sprache grammatikalisch richtig zu nutzen.

Dabei steht das Hörverstehen und Sprechen deutlich im Vordergrund des DaZ-Unterrichts. Hinhören und Probieren in Form von Nachsprechen ist für den Lernfortschritt von großer Bedeutung. Dies sollte allerdings immer in einen situativen Kontext eingebettet sein und nicht nur zum bloßen Wörtertraining werden.

Können in der mündlichen Kommunikation „Fehler“ wie z. B. fehlende oder grammatikalisch falsche Endungen noch durch den Zuhörer ergänzt oder die Umgangssprache durch entsprechende Mimik oder Gestik unterstützt werden, muss die Schriftsprache eindeutig sein, um verstanden zu werden. Daher müssen die Kinder im DaZ-Unterricht dazu befähigt werden, eindeutige, korrekte Sätze zu bilden. So wird sich ihnen auch eine höhere Lesekompetenz erschließen.

Daher sollte neben dem DaZ-Unterricht auch der Anfangsunterricht auf diese erschwerten Bedingungen Rücksicht nehmen.

Das DaZ – Spiel

Am evangelischen Gymnasium hat unsere Praktikantin Frau Mareen Schmidt diesen Leitgedanken aufgenommen und eigens für den DaZ Unterricht am EVGBM ein Spiel entworfen, welches Grammatik- Wortschatz- und Vokabeltraining spielerisch miteinander verbindet. Gerade für die“ DaZ-Anfänger“ ist dies eine willkomene Abwechslung im Schullalltag und erleichtert ihnen den Zugang zur deutschen Sprache.

 

Frau Domm verabschiedet

Leider musste sich das evangelische Gymnasium sich am Ende des Schuljahres 2019 von ihrer DaZ Lehrerin Frau Jennifer Domm verabschieden, welche eine neue Stelle in Düsseldorf antritt und mit ihrer Familie an den Rhein zieht.

Ihre SuS im Daz-Kurs überreichten ihrer Lehrerin ein Plakat mit Bildern aus der gemeinsamen Zeit und versahen dieses mit Danksagungen.

 

Medien und Methoden im DaZ-Unterricht

Vielfältige Mediennutzung ist Grundlage des DaZ-Unterrichts, um einen häufigen Methodenwechsel und somit ein Lernen über verschiedene (Sinnes-)Kanäle zu ermöglichen:

Daher wird für die Unterrichtssequenzen im DaZ-Unterricht ein Materialfundus aus verschiedenen Lehrwerken sowie Ergänzungs- und Fördermaterialien des Fachbereichs Deutsch an unserer Schule genutzt, welcher stetig evaluiert und erweitert wird. Dieser Materialfundus beinhaltet neben differenzierten Kopiervorlagen auch Spiele (siehe DaZ-Spiel), Lektüren (Und das nennt ihr Mut? – Allein in der Wildnis – Der Traum von Olympia) sowie zusätzliche unterstützende sowie sprachanregende Bildmaterialien. Zusätzlich wird sprachliche Förderung auch mithilfe des Programms 2P Potenzial und Perspektive an unserer Schule eingesetzt. Herr Bonin hat für dieses Programm verschiedene Fortbildungen besucht und setzt dieses Medium zur Sprachentwicklung an unserer Schule ein.

 

Stärken und Talente entdecken – Zugewanderte Schülerinnen und Schüler individuell fördern: Analyseverfahren 2P wird weiter ausgerollt

Unsere rheinland-pfälzischen Schulen haben bei der Integration zugewanderter Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse Herausragendes geleistet und leisten es weiterhin. Mit dem ‚Analyseverfahren 2P – Potenzial und Perspektive‘ geben wir unseren Lehrkräften ein Instrument an die Hand, das sie dabei unterstützt, die Fähigkeiten und Stärken der Schülerinnen und Schüler, die noch wenig Deutsch sprechen, einzuschätzen“, sagte Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig heute anlässlich des Starts der regionalen 2P-Schulungen für Lehrerinnen und Lehrer.

Mit 2P bietet Rheinland-Pfalz Lehrerinnen und Lehrern eine wertvolle Hilfestellung bei der individuellen Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler. Mit verschiedenen computergestützten Übungen werden dabei deren Kompetenzen erfasst. „Anhand der Ergebnisse kann die Lehrkraft beispielsweise sehen, wie der Lernstand in Mathematik oder Englisch ist. Darüber hinaus wird die kognitive und methodische Basiskompetenz, wie die Merk- und Konzentrationsfähigkeit, abgefragt. Das erleichtert unseren Lehrkräften die individuelle Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler“, erklärte Hubig.

 

Die Freiherr-vom-Stein-Realschule ist unter anderem Zentrum für Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Die Schule fördert genau wie das Evangelische Gymnasium Bad Marienberg mit einem schuleigenen Kurssystem den Spracherwerb und erleichtert damit die Integration in die Gesellschaft. Unterstützend greift die Schule auf die webbasierte Anwendung „2P – Potential und Perspektive“ zurück. Die SuS erklärten der Ministerpräsidentin Malu Dreyer stolz, wie sie damit arbeiten. Mit diesem Analyseverfahren können Schülerinnen und Schüler ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen ihr individuelles Potential entdecken.“

Die DaZ – Schüler am EVGBM nutzen dieses Programm oft und gerne, um ihren Lernstand in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik zu überprüfen und zu verbessern.

Mit dem Analyseverfahren „2P – Potenzial und Perspektive“ hat Rheinland-Pfalz nach Baden-Württemberg als zweites Bundesland ein Instrument der Kompetenzfeststellung für zugewanderte Kinder und Jugendliche eingeführt. Das computergestützte Analyseinstrumentarium erfasst die Lernstände in Deutsch, Englisch und Mathematik sowie fachliche und überfachliche Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. 2P besteht aus sieben Bausteinen und wird kulturfair und mit spracharmen Aufgabenstellungen entwickelt, so dass Schülerinnen und Schüler mit geringen Deutschkenntnissen ihre Potenziale zeigen können. 2P legt eine gute Grundlage für individuelle Förderung und ermöglicht eine gezieltere Einstufung in den Regelunterricht. 

 

Wir wünschen uns eine Schule der Vielfalt

Am 27. November 2019 fand in Hannover der zweite Fachtag der EKD zum Thema „Integration an Evangelischen Schulen“ statt. Herr Pieritz und Herr Bonin nahmen zusammen mit anderen Lehrkräften sowie SuS aus dem gesamten Bundesgebiet an dieser Veranstaltung teil.

Neben einem fachlichen Input zur Rolle des DaZ-Unterrichts für die Integration im Schulalltag von Prof. Dr. Alisha Heinemann von der Universität Bremen, wurden verschiedene Schulprojekte zum Thema vorgestellt. Die Teilnehmer nutzten die Chance dieser Veranstaltung für einen regen Austausch über den DaZ-Unterricht an ihren Schulen. Was wird von SuS gut angenommen? Welche Lehrwerke, Methoden und Medien können wie genutzt werden?

Zum Abschluss wurden mehrere Utopien einer perfekten „Schule der Vielfalt“ entworfen. Sus entwarfen zusammen mit ihren Lehrern einen Ablaufplan über das Thema und stellten ihre Ergebnisse anschließend im Plenum vor.

Der Fachtag war die abschließende Veranstaltung im Rahmen des zweijährigen Förderprogramms der EKD, bei welchem fachliche Impulse, Vernetzung zwischen Schulen und Schulentwicklungsprozesse im Fokus standen, die schulische Unterstützung von Schüler/-innen mit Deutsch als Zweitsprache fördern.

 

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…

DaZ-Schüler lernen Weihnachtsbräuche kennen:

Heute hat er vier Kerzen, die an den Adventssonntagen nacheinander angezündet werden. Ursprünglich bestand der Adventskranz jedoch aus 24 Kerzen und war aus Holz. Sein Erfinder: Hinrich Wichern, ein evangelischer Theologe und Erzieher. 1839 übergab er den Kranz an seine Schützlinge. So konnten diese selbst abzählen, wie viele Tage sie noch auf das Weihnachtsfest warten mussten. Unsere DaZ Schüler schmückten in ihrem KLassenraum den Weihnachtsbaum und stellten den Adventskranz auf. Auch eine Lesung der Weihnachtsgeschichte durfte natürlich nicht fehlen.

Flüchtlingskinder lernen Osterbräuche kennen

Flüchtlingskinder lernen Osterbräuche kennen

Ostern kennt bei uns in Deutschland jeder. Doch in anderen Ländern ist das nicht so.

Osterhasen oder Ostereier sind den Menschen dort fremd. Muslime zum Beispiel feiern Ostern nicht.

Da Ostern das wichtigste Kirchenfest bei uns ist, lernten auch die Kinder im DaZ-Kurs die Bräuche vor dem Osterfest kennen. Die Dekoration des Klassenraums mit Ostereiern und das Bemalen von gekochten Eiern waren ein riesen Spaß für die Kinder. Auch hörten viele zum ersten Mal die Leidensgeschichte Jesu. Gemeinsam wurde das Evangelium nach Matthäus, der Kreuztod und die Wiederauferstehung von Jesus Christus gelesen und diskutiert. Die Kinder waren überrascht, wie unterschiedlich das Leben, der Tod und die Auferstehung Jesu von den Religionen gedeutet und gefeiert wird.

DaZ lernen WIR!

DaZ lernen WIR!

In seinen vier DaZ-Kursen bereitet das Evangelische Gymnasium Bad Marienberg momentan 22 Flüchtlingskinder und Kinder mit Migrationshintergrund, aus 12 verschiedenen Nationen, auf den Regelunterricht vor. Jedes Kind hat dabei seinen eigenen Stundenplan und nimmt je nach Bedarf am Deutschkurs teil. Für uns ist es wichtig, dass die Kinder den Anschluss an ihre Klassengemeinschaft finden und Freundschaften zu einheimischen Schülerinnen und Schülern aufbauen können. Jeden Tag werden sie im Kleinstgruppensystem gefordert und gefördert. Unsere Schule nutzt zur Einstufung der Schülerinnen und Schüler das Programm 2P – Potenzial und Perspektive, ein Analyseverfahren für neu Zugewanderte. Stärken und Schwächen werden erkannt und die Kinder in den entsprechenden Kurs eingegliedert, welcher sie nicht über- noch unterfordert.