Schule: Neu gedacht

Schule: Neu gedacht

Eine Lehrkraft steht vor der Tafel, 20-30 Schülerinnen und Schüler sitzen in ordentlichen Reihen und blicken nach vorne. Die Lehrkraft moderiert und steuert den Unterricht und die Lernenden arbeiten fleißig mit. So (oder so ähnlich) sah Schule und Unterricht schon immer aus und so (oder so ähnlich) sieht Schule und Unterricht auch heutzutage noch allzu oft aus.

Aber muss das so sein? Wenn es nach Stefan Ruppaner, ehemaliger Schulleiter der Alemannenschule in Wutöschingen und Rebell gegen das etablierte Schulsystem, geht, dann lautet die Antwort: Nein! Und dass es anders geht, hat Ruppaner an seiner ehemaligen Schule in Baden-Württemberg eindrucksvoll gezeigt. Von der „sterbenden Hauptschule“ hat er seine Schule in einen Leuchtturm der innovativen Schulentwicklung in Deutschland gewandelt. Nicht zu Unrecht wurde die Alemannenschule bereits zwei Mal durch den Deutschen Schulpreis (2. Platz 2019 und Ehrung für besondere Konzepte während der Pandemie 2020/2021) geehrt.

Das Besondere an dem Konzept: Alles, was man allgemein mit Schule und Unterricht verbindet, wurde abgeschafft. Klassen wurden aufgelöst, Klassenarbeiten gibt es nicht mehr, Stundenpläne gehören weitestgehend der Geschichte an und nicht einmal mehr die Lehrkräfte gibt es (diese heißen nun Lernbegleiter). Das Lernen wurde ganz und vollkommen in die Hände derer gelegt, die es betrifft: die Lernenden.

Am 16.04.2026 machte Stefan Ruppaner Platz in seinem vollen Terminplan, um am EvGBM vor einem interessierten Publikum in der voll besetzten Mensa aus seinem Buch „Das könnte Schule machen“ zu lesen und von dem spannenden Abenteuer zu berichten, auf welches er sich unverhoffter Dinge machte, als er eines Abends durch das TV-Programm zappte.

Mit viel Witz und Ironie erfuhren die Besucher der kostenlosen Veranstaltung von den ersten Kontakten mit der Idee – eine Schuldokumentation von Filmemacher Rheinhardt Karl – und den ersten Besuchen im Rathaus der Gemeinde bis zu den Gerichtsprozessen, die Ruppaner gegen die Schulbehörde ausfechten musste.

Über alle Hindernisse hinweg blieben Ruppaner und seine Mitstreiter ihren Überzeugungen treu: „Die gelungene Schule schafft Gegenwart und Zukunft“ und die „Hinwendung zum Kind“ musste im Vordergrund stehen.

So entstand letztendlich die sogenannte „Schmetterlingspädagogik“, die den Lernenden echte Freiheit gibt. Man lernt, was man will, wann man will und wie man will.

Der Vortrag eröffnete vielen anwesenden Eltern und Lehrkräften eine vollkommen neue Perspektive auf den Schulalltag und bot viel Stoff für die anschließende lebhafte Aussprache, welche die Besucher mit Stefan Ruppaner führen konnten, der geduldig Rede und Antwort zu seinem Konzept stand.

Die Schulgemeinschaft darf nun bereits gespannt sein, wie sich diese neuen Ideen zur Schulentwicklung auf das EvGBM auswirken werden. Dank gebührt nicht nur Stefan Ruppaner für den interessanten Vortrag, sondern auch den Organisatoren des Abends und der Veranstaltungstechnik, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen.