Drei Monate in Spanien

Johanna Keßler (10c) macht zur Zeit einen Austausch per Erasmus+. Von ihren Erfahrungen in Spanien berichtet sie folgendes:
„Drei Monate in einem anderen Land zu leben, ist schon etwas Besonderes. Und seit Mitte September darf ich genau das, und zwar in Spanien. Durch Erasmus+ bin ich jetzt am Colegio Santa Isabel in Marchena, einer Stadt mit rund 20.000 Einwohnern in Andalusien. Für mich ist das ziemlich groß, doch von den Einwohnern wird sie immer als „klein“ bezeichnet. Aber hier ist generell einiges anders …
Hier beginnt mein Alltag unter der Woche um halb acht. Ich mache mich für die Schule fertig. Wir müssen Schulkleidung tragen. Die besteht für die Mädchen aus einem weißen Poloshirt mit dem Emblem der Schule, einem marineblauen Rock, ebenfalls blauen Strümpfen und schwarzen Schuhen. Die Jungen tragen anstelle des Rockes marineblaue Hosen. Der Unterricht beginnt hier erst um halb neun. Der gesamte Schultag besteht aus sechs Stunden (jeweils eine Zeitstunde pro Fach) und einer Pause von 30 Minuten um 11:30 Uhr, in der man das zu Hause vorbereitete Frühstück essen und sich mit Freunden unterhalten oder spielen kann. Im Unterricht habe ich teilweise dieselben Fächer wie in Deutschland, allerdings gibt es auch andere Fächer, die man hätte wählen können, wie z. B. Kultur oder Wirtschaft.
Die Schule endet um 15:00 Uhr. Zu Hause angekommen, esse ich mit den drei Brüdern der Gastfamilie zu Mittag, die Eltern essen danach. Anschließend schlafe ich normalerweise ein bis zwei Stunden (Siesta) und erledige meine Hausaufgaben. Später gehe ich zweimal die Woche zum Fußballtraining. Zum Ende des Tages wird gegen 21:30 Uhr im Wohnzimmer das Abendessen eingenommen.
Die Wochenenden beginnen meist damit, dass ich mit einigen Freunden ein Fußballspiel der Jungs in Marchena anschaue. Danach gehen normalerweise alle wieder nach Hause, essen zu Mittag und lernen oder machen etwas anderes. Die wesentlichen Aktivitäten finden abends und nachts statt, da es tagsüber sehr warm ist und erst gegen Abend abkühlt. Dann treffe ich mich meistens mit meinen Freundinnen, wir gehen essen – was man hier viel öfter macht als in Deutschland – und treffen uns dann mit den Jungs. Hier unternehmen Mädchen und Jungs viel öfter etwas zusammen, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Demnach sind auch die Gruppen im Allgemeinen größer. Die Menschen hier sind auch viel ausgelassener und offener, sodass ich sofort das Gefühl hatte, dazuzugehören. Die Unterhaltungen sind viel angeregter und lauter und es wird auch öfter gefeiert.
Ein besonderes Ereignis fand am 4. Oktober statt:
Die „Magna Procesión de Tercia“ zu Ehren von Nuestra Señora del Santísimo Rosario (der Jungfrau des Rosenkranzes).
Bei diesem Umzug wurden drei festliche „Pasos“, also Traggestelle oder Tragaltäre, mit Figuren von Santo Domingo, San Francisco und „Nuestra Señora del Santísimo Rosario“, der Schutzpatronin von Marchena, durch die Straßen getragen. Unter diesen Altären befanden sich Menschen, die diese trugen. Sie haben sich immer abgewechselt, wenn sie zum Stehen kamen. Manche Menschen standen nicht auf den Straßen, sondern auf den flachen Dächern der Häuser, um alles besser erkennen zu können. Und wenn der Altar der Schutzpatronin ihre Straße passierte, bestreuten sie ihn mit Blumen und Rosenblättern. Zusätzlich wurden diese Altäre von zwei Musikkapellen und einigen Menschen begleitet. Manche davon trugen einen kleinen Korb mit „Hallelujas“, die sie in die Menge warfen. Das sind kleine Zettel mit religiösen Versen.
Diese Veranstaltung war wirklich wunderschön und ich werde sie nie wieder vergessen, wie viele andere Dinge, die sich hier bis jetzt ereignet haben. Dazu gehören auch die Ausflüge in größere Städte wie zum Beispiel nach Sevilla.
Am Anfang war es ziemlich schwierig, sich einzufinden, weil alles so anders war: die Sprache, der Umgang miteinander (die Begrüßung mit Küsschen z. B.), die Schule und die späten Zeiten an den Wochenenden. Aber meine Gastfamilie, meine Freunde und auch die Lehrer in der Schule haben mich direkt aufgenommen und mir sehr geholfen, sodass ich jetzt schon viel besser zurechtkomme, auch wenn mir das Sprechen noch etwas schwerfällt. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
Auch Herrn Cortéz, Herrn Wagner und dem Erasmus+-Team der Schule, bestehend aus Herrn Weigand, Frau Gruner-Menk und Frau Mieczkowski, bin ich sehr dankbar. Sie haben diesen Aufenthalt möglich gemacht, organisiert und mich sehr unterstützt.“




















