Der Blick hinter die Kulissen

"Tyll" im Staatstheater Wiesbaden

Der Blick hinter die Kulissen

Dreck auf der Bühne, Tapete, die von der Decke runterhängt, schwarze Farbe, welche das Weiß befleckt. Dies sind nur kurze Einblicke in „Tyll“, das Schauspiel nach dem Roman von Daniel Kehlmann.

Am 8. November brachen um 14:00 Uhr einige der Oberstufenschüler/innen von Bad Marienberg nach Wiesbaden ins Hessische Staatstheater auf. Nach zwei Stunden Busfahrt hatten wir noch ein wenig Zeit, um die Stadt zu erkunden oder Essen zu gehen, bis wir daraufhin eine private Führung durch das Theater genießen durften. Diese bot uns spannende und interessante Einblicke hinter die Kulissen. Dadurch lernten wir das Theater aus vielen verschiedenen Perspektiven kennen und konnten die Mühen und harte Arbeit, welche in einem solchen Stück steckten, noch mehr wertschätzen. Nach einer kurzen Erfrischungspause im Foyer begann um 20 Uhr das Theaterstück.

Nach mehr als drei Stunden Aufregung und Drama fand auch dieser Abend ein Ende und trotz einiger Verständnisprobleme kam die Aufführung bei den Schülern und Schülerinnen gut an.    (Kira und Raja, MSS11)

„Der kleine Prinz“ auf der ganz großen Bühne

„Der kleine Prinz“ auf der ganz großen Bühne

Rund 90 Schülerinnen und Schüler haben sich am vergangenen Dienstag auf den Weg nach Siegen gemacht. Im dortigen Apollo-Theater wurde das Stück „Der kleine Prinz“ auf die Bühne gebracht. Für viele Schülerinnen und Schüler war dies der erste Theaterbesuch. Dementsprechend groß war das Staunen, als der Saal betreten wurde. Als sich dann der Vorhang öffnete und das geheimnisvolle Bühnenbild zum Vorschein war die Begeisterung spürbar.

Das 1943 in New York erstmals in Buchform erschienene Werk von Antoine de Saint-Exupéry gilt bis heute als eines der poetischsten Plädoyers für Freundschaft und Menschlichkeit. Der kleine Prinz reist zu verschiedensten Planeten und lernt dort alle möglichen Personen kennen, vom Arbeiter über Geschäftsmann bis zur Monarchin. Immer im Vordergrund steht aber seine Freundschaft und Zuneigung zu „seiner Rose“. Wunderbar wurde auf der Bühne das Verhältnis des kleinen Prinzen zum Erzähler der Geschichte deutlich, die sich zwischen den einzelnen Episoden der Reise immer wieder austauschten. Fantasie und Vorstellungsvermögen war hierbei nötig – und dies ist es auch, was der Autor mit seinem Werk fordert.

Die Erde aber ist voll von merkwürdigen Typen. Eine Schlange bietet dem kleinen Prinzen ihre Freundschaft an, aber das könnte ein giftiges Angebot sein. Er kommt in einen großen Garten und sieht Tausende von Rosen, die alle so schön sind wie seine Blume. Er erkennt hierbei die Einzigartigkeit seiner Rose und die Bedeutung von Freundschaft und Liebe. Zum Ende erscheint ein Fuchs, mit dem der Junge Freundschaft schließt. Das Tier weiht ihn in das große Geheimnis von Freundschaft, Liebe, Verantwortung ein und bringt ihm bei: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung des Apollo Theaters Siegen, Roswitha Antoniak.

Theaterfahrt nach Bonn – „WUT“

Theaterfahrt nach Bonn – „WUT“

FUREUR steht in riesigen Lettern auf der Bühne. Die bespielbaren Buchstabenräume bedeuten – WUT so wie der Titel des Theaterstücks von Elfriede Jelinek, das einige Schüler und Schülerinnen der Jg. 10-12 am Donnerstag, den 24.05.2018 im Theater der Stadt Bonn/ Bad Godesberg besuchten. „Das müssen wir erst einmal sacken lassen…“ war die Reaktion der jungen Zuschauer, die mit einer wortgewaltigen Gegenwartsanalyse konfrontiert wurden.

Vor dem Vorhang erscheint eine Szene mit dem zusammenbrechenden Paddelboot aus Jaques Tatis „Die Ferien des Monsieur Hulot“. Dazu erklingt Charles Trenets Chanson „La mehr“. Anlass der Inszenierung waren die Anschläge in Frankreich in Bezug auf die Satirezeitschrift  „Charlie Hebdo“ und das Attentat auf einen Supermarkt mit koscheren Lebensmitteln im Osten der Stadt sowie eine Anspielung auf den Algerienkrieg, dessen Folgen auf junge in Frankreich aufgewachsene Nordafrikaner. Auf verschiedensten Bedeutungsebenen entwickelt sich ein vielstimmiger Wutchor, indem die Autorin nach dem Grund für eine solch zerstörerische Wut fragt. Die kurz aufeinanderfolgenden Szenen erforderten eine besonders flexible künstlerische Leistung der Darsteller mit expressiver Körpersprache. Die blinde Wut islamischer Terroristen geht über in Stimmen deutscher Wutbürger, die ihre Wut an einem Schrottauto auslassen, Dealer, Populisten, Neonazis, Hooligans. Die Wut der Autorin selbst mischt sich ein – mit Jelinek- Frisur und grauem Pelzmantel – die Wut auf die eigene Ohnmacht, dass im Schreiben das Unbeschreibliche schwer zu fassen ist. Auch wie die Gesellschaft selbst damit umgeht, wie sie sich ausschließen, einzelne ausgeschlossen werden wird zum Thema gemacht. Jeder kann sich irgendwo wiederfinden, seine eigene Sprache erkennen und jeder ist letztendlich vom Blut befleckt, was trotz enormer Anstrengungen in den riesigen weißen Lettern nicht wegzuwischen ist. Die Ebenen mischen sich zu einem Wut- Gewitter über Götter, trotziger Anklage und Gottes- Gericht-auch griechische Mythen werden angedeutet.

Aktuelle Kritik am Konsumieren von Bilder und Videos, das permanente Filmen und Erstellen von Selfis wird geschickt eingebunden und Teil des Bühnenbildes.

Die Funktionsbeschreibung einer Maschinenpistole wird zum zynischen Kabinettstück, Theaterblut spritzt reichlich und Maschinengewehrgeräusche hinterlassen ein beklemmende Gefühl in der Zuschauermenge. In einer plakativen Satire erscheinen die Götter als eine Ursache des Blutbades, groteske Widersprüche lassen Schaudern und Lachen zugleich. Letztendlich wird die Wut als Bindeglied zwischen allen Gesellschaftsschichten aufgezeigt.