Taizéfahrt  2017

 

Am 06. Mai hieß es für vierzehn Schüler und Schülerinnen des evangelischen Gymnasiums früh aufstehen und sich auf den Weg nach Frankreich machen. Unsere Reise dauerte im Gesamten bis zum 14. Mai an.

Von diesen vierzehn SchülerInnen waren vier neue dabei, die sich trotz Skepsis auf dieses Erlebnis eingelassen haben. Und um ehrlich zu sein: Taizé wird erst richtig schön, wenn man sich drauf einlässt.

Schon auf der Hinfahrt merkte man, dass unsere Gruppe, die von Moritz und Anke Hollmann, Markus Treptow sowie Gunter Wetzel begleitet wurde, gut zusammenpasste und diese eine Woche in den Tiefen Frankreichs ein wunderbares Erlebnis werden wird. An sich verlief die Fahrt ruhig und angenehm, wir standen nicht großartig im Stau, noch gab es andere Komplikationen, abgesehen von einem vergessenen Schlafsack oder einer vergessenen Jacke.

Nach einer sehr langen Fahrt kamen wir am späten Nachmittag an und wurden von einem Volontär dort begrüßt und in die verschiedenen Arbeiten eingeteilt. Taizé lebt von der Hilfe aller, die dort für eine Zeit leben wollen. Nach Bezug unserer ersten Baracken, die aber aufgrund Neuzugängen am nächsten Tag gewechselt wurden, begannen wir unsere Woche mit einem Indiakamatch und unserem traditionellem Clap-Game, was die meisten von uns im Vorjahr von unseren schwedischen Freunden gelernt haben.

Schon zu Beginn unserer Ankunft fiel auf, dass Taizé um einiges leerer als 2016 war. Dies lag hauptsächlich daran, dass wir im Mai unterwegs waren und nicht in den Sommermonaten Juni oder Juli, wenn die Hauptsaison ist. Und da es sich nicht um tausende von Menschen handelte, denen man tagtäglich begegnete, war alles viel familiärer und wir lernten so ziemlich jeden kennen. In den ersten zwei Tagen wuchs unsere Gruppe um Jugendliche aus Frankreich. Aller Anfang ist schwer – so war es auch diesmal mit der Kontaktaufnahme, aber die Magie von Taizé kann kein Sprachdefizit und kein Vorurteil stoppen. Also verbrachten wir unsere Abende am Oyak mit Gitarre und Gesang und unseren neu gewonnenen Freunden: den Franzosen. Da diese aber nur über ein Wochenende blieben und montags wieder fuhren, war der erste schmerzhafte Abschied schon vorprogrammiert, doch das Kommen und Gehen ist genau das, was Taizé ausmacht.

Eine Freundin sagte: „Das ist das wunderbare an Taizé: Man findet die besten Freunde für eine Woche.“ Und ja, auch wenn man mit einigen noch heute in Kontakt steht: Man vertraut, obwohl man diese Menschen nicht kennt. Oder gerade deswegen.

Nachdem die erste Gruppe gefahren ist, mit denen wir wunderschöne Erinnerungen teilen, kamen Niederländer in pinken und blauen Pullovern an. Durch die Aufteilung in gemeinsame Bibelgruppen und die Essensausgabe, die immer freiwillig von Lukas und Daniel Giel, Anna Rommel und Pauline Fischbach übernommen wurde, entstanden die ersten Bekanntschaften, die dann abends im Zelt gefestigt wurden. Im Endeffekt verbrachten wir mit den zwei Schulgruppen die meiste Zeit und so wie es geplant ist, wird auch ein Teil sich wiedersehen.

Niemand hatte wirklich ein großes Problem mit der Einfachheit. Im Gegenteil: Auch dies ist eine Sache, die Taizé ausmacht. Wir haben uns durch einfaches Essen und einfache Schlafplätze auf andere Dinge als Luxus und Besitz konzentriert. Wir hatten das materiell nötigste zum Leben, aber so viele wertvolle Menschen und Erlebnisse, die die Not zum Luxus machen.

Unsere gemeinsamen Gebete, die morgens, mittags und abends stattfanden sowie all die persönlichen und herzlichen Gespräche halten wir in sonderbarer Erinnerung. Wir sind dankbar, dass wir diese Reise dieses Jahr antreten durften und hoffen natürlich auf ein weiteres Mal.

Ein großer Dank geht an unsere Begleiter Anke und Moritz Hollmann, Markus Treptow und Gunter Wetzel, sowie allen Förderern, die uns dieses Erlebnis möglich gemacht haben. Wir danken für eine der schönsten Zeit unseres Lebens.

Singt von Frieden in der Welt

Weihnachtsgottesdienst des Evangelischen Gymnasiums Bad Marienberg

Singt von Frieden in der Welt

Am letzten Donnerstag vor Weihnachten, dem letzten Tag vor den lange ersehnten Ferien, machte sich die gesamte Schulgemeinschaft auf den Weg in die evangelische Kirche in Bad Marienberg, um den stressigen Schulalltag in diesem Kalenderjahr hinter sich zu lassen und sich auf Weihnachten einzustimmen.

Trotz des Schneechaos der letzten Tage, das für unfreiwilligen Unterrichtsausfall gesorgt hatte, war es der Klasse 5a gelungen, den Gottesdienst im Religionsunterricht vorzubereiten. Im Predigtanspiel erklärten sie, worum es an Weihnachten eigentlich geht: Das Kind in der Krippe hat jedem einzelnen von uns den Frieden Gottes gebracht.

Chor und Bläserklasse der Jahrgangsstufe 6 rundeten den Gottesdienst ab; die Bläserklasse entließ alle anwesenden Schüler, Eltern, Großeltern und Lehrer mit dem Weihnachtswunsch: „Feliz Navidad!“

Präses Dr. Ulrich Oelschläger besucht das Evangelische Gymnasium

Austausch mit Schülern über theologische Themenfelder

Präses Dr. Ulrich Oelschläger besucht das Evangelische Gymnasium

Eine überaus angeregte Diskussion führten rund 25 Schüler der Religion-Leistungskurse der Oberstufe des Evangelischen Gymnasiums mit Dr. Ulrich Oelschläger, dem Vorsitzender der Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Der ehemalige Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte war einer Einladung der Schulleitung gefolgt, das einzige Gymnasium der EKHN zu besuchen und mit Schülern der Schule ins Gespräch zu kommen. Zunächst thematisierten die Schüler das Reformationsjubiläum, das in diesem Jahr mit hunderten großen und kleinen Veranstaltungen innerhalb der Landeskirche gefeiert worden war. Im Zuge dessen kam die Frage nach der Vorbildfunktion Martin Luthers, dessen antijüdische Aussagen auch für Kritik innerhalb des Jubiläumsjahres sorgten. Dr. Oelschläger erklärte, wie sich Luthers antijüdische Tendenzen entwickelt hatten und verurteilte seine Haltung dazu. „Später waren Luthers Schriften dazu unmäßig, davon muss man sich distanzieren“, sagte Oelschläger. Die EKHN habe sich jedoch mit der Frage in ausreichender Weise beschäftigt. Dann kamen die Schüler auf aktuelle Entwicklungen des interreligiösen Dialogs zu sprechen. Hier befürwortete Dr. Oelschläger für alle Religionen ein Höchstmaß an Toleranz füreinander und Respekt voreinander. „Der richtige Ansatz ist stets, dass man miteinander auf Augenhöhe redet“, meinte Oelschläger. Im Verhältnis zu den katholischen Geschwistern habe gerade die Lutherdekade ein großes Entgegenkommen bewirkt. Seien zu Beginn die Vorbehalte noch groß gewesen, so habe sich die Haltung auf beiden Seiten sehr gewandelt, sagte Oelschläger. So habe es beispielsweise im Reformationsjahr so viele ökumenische Gottesdienste gegeben wie nie zuvor. Dann stiegen die Schüler in eine Diskussion über den Freiheitsbegriff ein und stellen ein modernes Verständnis von Freiheit einem religiösen gegenüber. Es gebe die Freiheit eine Bindung zum christlichen Glauben einzugehen oder die Freiheit diese Bindung zu verlassen, meinte Oelschläger. Durch Herkunft, Eltern und gesellschaftliche Einflüsse habe man aber immer eine persönliche Sozialisierung erlebt, die das Erleben von Freiheit für jeden unterschiedlich gestalte. Zum Abschluss des kurzweiligen Gesprächs dankte Schulleiter Dirk Weigand Dr. Oelschläger herzlich für seine offenen und authentischen Antworten auf die Fragen der Schüler.

Nach einem Überblick über das naturwissenschaftliche, künstlerische und musikalische Angebot des Gymnasiums und einer Führung durch das Schulgebäude, lud Präses Dr. Ulrich Oelschläger die „Swing Combo“ des Gymnasiums erneut zur musikalischen Gestaltung bei der kommenden Frühjahrssynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Frankfurt ein. „Auf die regelmäßige Pauseneinlage der begabten Musiker aus Bad Marienberg freuen sich die Synodalen während des Synode immer sehr“, sagte Oelschläger.

Hintergrund: Dr. Ulrich Oelschläger, Präses der Synode der EKHN

Der Präses gilt als „Parlamentspräsident“ der Kirchensynode und ist verantwortlich für deren Leitung. Er moderiert zusammen mit den weiteren Mitgliedern des Kirchensynodalvorstands die Sitzungen der Synode und fördert deren Arbeit inhaltlich. Zu seinen Aufgaben gehören des Weiteren die Ausfertigung von Kirchengesetzen und die Vertretung der Kirchensynode nach außen.

Dr. Ulrich Oelschläger wurde am 8. September 1946 in Oberhausen in eine Pfarrfamilie hinein geboren. Nach dem Abitur am altsprachlichen Gymnasium in Bad Kreuznach 1966 studierte Oelschläger in Mainz Germanistik, Theologie, Philosophie und Deutsche Volkskunde. Nach dem Zweiten Staatsexamen wurde er Lehrer am Albert-Einstein-Gymnasium in Frankenthal und unterrichtete dort Deutsch, evangelische Religion, Philosophie und Ethik sowie Hebräisch. Von 1981 bis 2010 wirkte er in der Stellung eines Studiendirektors bei der Schulaufsicht in Neustadt an der Weinstraße als Regionaler Fachberater für Evangelische Religion. Berufsbegleitend studierte er von 1994 bis 2004 in Mainz an der Evangelisch-theologischen Fakultät Judaistik und schloss mit einer Promotion zum jüdisch-christlichen Verhältnis ab. Oelschläger wohnt seit 1972 mit seiner Frau in Worms. Seit 1986 ist er Kirchenvorsteher in der Wormser Magnusgemeinde. Er gehört der Dekanatssynode Worms-Wonnegau an und hat als letzter Präses des selbständigen Dekanats Worms die Vereinigung der Dekanate Worms und Osthofen mit gestaltet. Mitglied der Kirchensynode der EKHN ist Oelschläger seit 1992.

Präses Dr. Ulrich Oelschläger bekannte sich wiederholt zum „offenen Diskurs, in dem jeder zu seinem Recht kommt“. Im Rahmen seiner Wiederwahl 2016 als Präses machte Dr. Ulrich Oelschläger deutlich, dass es in der Synode auch darum gehe, deutliche öffentliche Akzente zu setzen. Er bekannte sich zu einer Kirche, die sich über geistliche Fragen hinaus auch ihrer „gesellschaftlichen Verantwortung“ stellen müsse.

Text & Bilder: S. Hammann-Gonschorek

Projekttage zum Lutherjubiläum

Projekttage zum Lutherjubiläum

„Du sollst leben!“
500 Jahre Reformation und drei Projekttage am Evangelischen Gymnasium Bad Marienberg
Eineinhalb Jahre Vorbereitungszeit haben sich gelohnt: Am Mittwoch, 25.10., und Donnerstag, 26.10., starteten insgesamt 54 jeweils eintägige Projekte, die den Schülerinnen und Schülern die Zeit der Reformation näherbringen sollten. Nach einer Andacht hatten alle also die Gelegenheit, in zwei Projekten den Ereignissen rund um Martin Luther auf die Spur zu kommen, bevor sich am 31.10.2017 der berühmte Anschlag seiner 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg zum 500. Mal jährte. Kochen oder Einblicke in die Baukunst zu Luthers Zeiten standen dabei ebenso zur Wahl wie das Erstellen von Quizfragen zu Luthers Leben oder Exkursionen ins Bibelhaus in Frankfurt oder zur Jesus-Bruderschaft in Gnadenthal.
Zusammengeführt und ausgewertet wurden alle Projekte am Freitag: Zu Beginn des Tages feierten die Schulpfarrer Swenja Müller und Peter Wagner einen Gottesdienst mit der gesamten Schulgemeinschaft, der von Schülerinnen und Schülern vorbereitet worden war und gestaltet wurde. Zur Predigt schlüpfte Peter Wagner in die Gestalt Martin Luthers und erklärte aus Sicht des Reformators, welche Erkenntnisse und Beweggründe zu seiner Handlung führten. Erstaunt war er als er auf Swenja Müller traf, die Pfarrerin an einem Gymnasium, das sich noch 500 Jahre später auf ihn beruft. Im Dialog legten beide die Grundlagen des evangelischen Glaubens dar. „Wir haben heute keine Angst mehr vor Gott – das ist dein Verdienst!“, dankte Swenja Müller dem Reformator: Weil Jesus Christus das Heil für uns erreicht hat, können wir vertrauensvoll vor Gott stehen. Dieser ermutigende Gedanke sie auch in der heutigen Leistungsgesellschaft von großer Bedeutung: Man muss nicht der beste sein, um Annahme zu finden.
Im Anschluss präsentierten sich einige Projekte. Der Chor stellte zwei von Martin Luther geschriebene Lieder vor; Schülerinnen und Schüler präsentierten gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern Mode und Schmuck sowie Kinderspiele zur Zeit Luthers; kurze und anschauliche Informationsfilme zu Martin Luther wurden gezeigt; als Ergebnis des Projekts (Poetry Slam“ trugen drei Schülerinnen und Schüler ihre selbst geschriebenen Gedichte vor.
Abschließend trafen sich alle Schülerinnen und Schüler im Klassenverband, um ihre persönlichen Erfahrungen aus den Projekttagen zu reflektieren.
Wie gelungen die Projekttage waren, davon wird sich jeder auch am Tag der Offenen Tür am 18.11.2017 überzeugen können, wenn im Raum der Stille jedes Projekt seine Arbeitsergebnisse präsentiert. Im Frühjahr 2018 wird es außerdem – rechtzeitig zur Frühjahrssynode der EKHN – eine Sonderbeilage zum Jahrbuch geben, in dem jede Gruppe noch einmal in Text und Bild ihr Projekt vorstellt.

 

Einen kleinen Einblick in die Arbeit bietet auch schon unsere Bildergalerie: