Religion

„Gibt es Gott? Und: Was hat er mit mir zu tun?“

„Woran kann ich mich halten, wenn mir oder anderen Leid widerfährt?“

„Wie möchte ich später leben?“

In einer Welt, in der es eine Vielzahl an Fragen, Meinungen und Lebensentwürfen gibt, hilft der Religionsunterricht, sich mit diesen aus christlicher Perspektive auseinanderzusetzen und auf die Suche nach tragfähigen Antworten zu gehen.

Im Religionsunterricht, der an unserem Gymnasium evangelisch oder katholisch erteilt wird, lernen die Kinder und Jugendlichen die Inhalte des christlichen Glaubens kennen und werden dazu angeregt, sich kritisch mit diesen auseinanderzusetzen. Durch die Mitgestaltung der Schulgottesdienste, können die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass es mehr gibt als das, was sicht- und fassbar ist – das Geheimnis Gottes, das sich in Jesus Christus offenbart und für die Menschen da sein möchte.

Auch die geschichtliche Entwicklung der jüdisch-christlichen Tradition sowie die Begegnung des Christentums mit anderen Konfessionen und Religionen werden in den Blick genommen, beispielsweise bei Exkursionen oder im Gespräch mit Zeitzeugen.

Impressionen Weihnachtsgottesdienst 2018

Impressionen Weihnachtsgottesdienst 2018

Präses Dr. Ulrich Oelschläger besucht das Evangelische Gymnasium

Austausch mit Schülern über theologische Themenfelder

Präses Dr. Ulrich Oelschläger besucht das Evangelische Gymnasium

Eine überaus angeregte Diskussion führten rund 25 Schüler der Religion-Leistungskurse der Oberstufe des Evangelischen Gymnasiums mit Dr. Ulrich Oelschläger, dem Vorsitzender der Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Der ehemalige Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte war einer Einladung der Schulleitung gefolgt, das einzige Gymnasium der EKHN zu besuchen und mit Schülern der Schule ins Gespräch zu kommen. Zunächst thematisierten die Schüler das Reformationsjubiläum, das in diesem Jahr mit hunderten großen und kleinen Veranstaltungen innerhalb der Landeskirche gefeiert worden war. Im Zuge dessen kam die Frage nach der Vorbildfunktion Martin Luthers, dessen antijüdische Aussagen auch für Kritik innerhalb des Jubiläumsjahres sorgten. Dr. Oelschläger erklärte, wie sich Luthers antijüdische Tendenzen entwickelt hatten und verurteilte seine Haltung dazu. „Später waren Luthers Schriften dazu unmäßig, davon muss man sich distanzieren“, sagte Oelschläger. Die EKHN habe sich jedoch mit der Frage in ausreichender Weise beschäftigt. Dann kamen die Schüler auf aktuelle Entwicklungen des interreligiösen Dialogs zu sprechen. Hier befürwortete Dr. Oelschläger für alle Religionen ein Höchstmaß an Toleranz füreinander und Respekt voreinander. „Der richtige Ansatz ist stets, dass man miteinander auf Augenhöhe redet“, meinte Oelschläger. Im Verhältnis zu den katholischen Geschwistern habe gerade die Lutherdekade ein großes Entgegenkommen bewirkt. Seien zu Beginn die Vorbehalte noch groß gewesen, so habe sich die Haltung auf beiden Seiten sehr gewandelt, sagte Oelschläger. So habe es beispielsweise im Reformationsjahr so viele ökumenische Gottesdienste gegeben wie nie zuvor. Dann stiegen die Schüler in eine Diskussion über den Freiheitsbegriff ein und stellen ein modernes Verständnis von Freiheit einem religiösen gegenüber. Es gebe die Freiheit eine Bindung zum christlichen Glauben einzugehen oder die Freiheit diese Bindung zu verlassen, meinte Oelschläger. Durch Herkunft, Eltern und gesellschaftliche Einflüsse habe man aber immer eine persönliche Sozialisierung erlebt, die das Erleben von Freiheit für jeden unterschiedlich gestalte. Zum Abschluss des kurzweiligen Gesprächs dankte Schulleiter Dirk Weigand Dr. Oelschläger herzlich für seine offenen und authentischen Antworten auf die Fragen der Schüler.

Nach einem Überblick über das naturwissenschaftliche, künstlerische und musikalische Angebot des Gymnasiums und einer Führung durch das Schulgebäude, lud Präses Dr. Ulrich Oelschläger die „Swing Combo“ des Gymnasiums erneut zur musikalischen Gestaltung bei der kommenden Frühjahrssynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Frankfurt ein. „Auf die regelmäßige Pauseneinlage der begabten Musiker aus Bad Marienberg freuen sich die Synodalen während des Synode immer sehr“, sagte Oelschläger.

Hintergrund: Dr. Ulrich Oelschläger, Präses der Synode der EKHN

Der Präses gilt als „Parlamentspräsident“ der Kirchensynode und ist verantwortlich für deren Leitung. Er moderiert zusammen mit den weiteren Mitgliedern des Kirchensynodalvorstands die Sitzungen der Synode und fördert deren Arbeit inhaltlich. Zu seinen Aufgaben gehören des Weiteren die Ausfertigung von Kirchengesetzen und die Vertretung der Kirchensynode nach außen.

Dr. Ulrich Oelschläger wurde am 8. September 1946 in Oberhausen in eine Pfarrfamilie hinein geboren. Nach dem Abitur am altsprachlichen Gymnasium in Bad Kreuznach 1966 studierte Oelschläger in Mainz Germanistik, Theologie, Philosophie und Deutsche Volkskunde. Nach dem Zweiten Staatsexamen wurde er Lehrer am Albert-Einstein-Gymnasium in Frankenthal und unterrichtete dort Deutsch, evangelische Religion, Philosophie und Ethik sowie Hebräisch. Von 1981 bis 2010 wirkte er in der Stellung eines Studiendirektors bei der Schulaufsicht in Neustadt an der Weinstraße als Regionaler Fachberater für Evangelische Religion. Berufsbegleitend studierte er von 1994 bis 2004 in Mainz an der Evangelisch-theologischen Fakultät Judaistik und schloss mit einer Promotion zum jüdisch-christlichen Verhältnis ab. Oelschläger wohnt seit 1972 mit seiner Frau in Worms. Seit 1986 ist er Kirchenvorsteher in der Wormser Magnusgemeinde. Er gehört der Dekanatssynode Worms-Wonnegau an und hat als letzter Präses des selbständigen Dekanats Worms die Vereinigung der Dekanate Worms und Osthofen mit gestaltet. Mitglied der Kirchensynode der EKHN ist Oelschläger seit 1992.

Präses Dr. Ulrich Oelschläger bekannte sich wiederholt zum „offenen Diskurs, in dem jeder zu seinem Recht kommt“. Im Rahmen seiner Wiederwahl 2016 als Präses machte Dr. Ulrich Oelschläger deutlich, dass es in der Synode auch darum gehe, deutliche öffentliche Akzente zu setzen. Er bekannte sich zu einer Kirche, die sich über geistliche Fragen hinaus auch ihrer „gesellschaftlichen Verantwortung“ stellen müsse.

Text & Bilder: S. Hammann-Gonschorek

Projekttage zum Lutherjubiläum

Projekttage zum Lutherjubiläum

„Du sollst leben!“
500 Jahre Reformation und drei Projekttage am Evangelischen Gymnasium Bad Marienberg
Eineinhalb Jahre Vorbereitungszeit haben sich gelohnt: Am Mittwoch, 25.10., und Donnerstag, 26.10., starteten insgesamt 54 jeweils eintägige Projekte, die den Schülerinnen und Schülern die Zeit der Reformation näherbringen sollten. Nach einer Andacht hatten alle also die Gelegenheit, in zwei Projekten den Ereignissen rund um Martin Luther auf die Spur zu kommen, bevor sich am 31.10.2017 der berühmte Anschlag seiner 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg zum 500. Mal jährte. Kochen oder Einblicke in die Baukunst zu Luthers Zeiten standen dabei ebenso zur Wahl wie das Erstellen von Quizfragen zu Luthers Leben oder Exkursionen ins Bibelhaus in Frankfurt oder zur Jesus-Bruderschaft in Gnadenthal.
Zusammengeführt und ausgewertet wurden alle Projekte am Freitag: Zu Beginn des Tages feierten die Schulpfarrer Swenja Müller und Peter Wagner einen Gottesdienst mit der gesamten Schulgemeinschaft, der von Schülerinnen und Schülern vorbereitet worden war und gestaltet wurde. Zur Predigt schlüpfte Peter Wagner in die Gestalt Martin Luthers und erklärte aus Sicht des Reformators, welche Erkenntnisse und Beweggründe zu seiner Handlung führten. Erstaunt war er als er auf Swenja Müller traf, die Pfarrerin an einem Gymnasium, das sich noch 500 Jahre später auf ihn beruft. Im Dialog legten beide die Grundlagen des evangelischen Glaubens dar. „Wir haben heute keine Angst mehr vor Gott – das ist dein Verdienst!“, dankte Swenja Müller dem Reformator: Weil Jesus Christus das Heil für uns erreicht hat, können wir vertrauensvoll vor Gott stehen. Dieser ermutigende Gedanke sie auch in der heutigen Leistungsgesellschaft von großer Bedeutung: Man muss nicht der beste sein, um Annahme zu finden.
Im Anschluss präsentierten sich einige Projekte. Der Chor stellte zwei von Martin Luther geschriebene Lieder vor; Schülerinnen und Schüler präsentierten gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern Mode und Schmuck sowie Kinderspiele zur Zeit Luthers; kurze und anschauliche Informationsfilme zu Martin Luther wurden gezeigt; als Ergebnis des Projekts (Poetry Slam“ trugen drei Schülerinnen und Schüler ihre selbst geschriebenen Gedichte vor.
Abschließend trafen sich alle Schülerinnen und Schüler im Klassenverband, um ihre persönlichen Erfahrungen aus den Projekttagen zu reflektieren.
Wie gelungen die Projekttage waren, davon wird sich jeder auch am Tag der Offenen Tür am 18.11.2017 überzeugen können, wenn im Raum der Stille jedes Projekt seine Arbeitsergebnisse präsentiert. Im Frühjahr 2018 wird es außerdem – rechtzeitig zur Frühjahrssynode der EKHN – eine Sonderbeilage zum Jahrbuch geben, in dem jede Gruppe noch einmal in Text und Bild ihr Projekt vorstellt.

 

Einen kleinen Einblick in die Arbeit bietet auch schon unsere Bildergalerie: