Quo vadis, Europa?

Quo vadis, Europa?

Der Abend des 21.01.2019 stand unter der Fragestellung ‚Wohin gehst du Europa?‘. Im Rahmen eines Bildungsforums lud das Evangelische Gymnasium Bad Marienberg, in die neuerbaute Schulmensa, zu einem Vortrag ein. Neben vielen interessierten Bürgerinnen und Bürgern und einigen Schülern der Oberstufe des Gymnasiums, erschienen die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der umliegenden Dörfer, der Verbandsbürgermeister Andreas Heidrich, der Landtagsabgeordnete Hendrik Hering, wie auch die Vorsitzende des Fördervereins, Silke Schneider. Auch Vertreter des Dekanats, die die Veranstaltung mit dem Gymnasium gemeinsam ausgerichtet haben, waren anwesend.

Alle Anwesenden waren gekommen um Herr Prof. Dr. Frank Schimmelfennig bei seinem Vortrag zuzuhören. Der deutsche Politikwissenschaftler, welcher ursprünglich aus Bad Marienberg kommt, ist Professor an der ETH Zürich. Sein Abitur machte Prof. Schimmelfennig am Konrad-Adenauer-Gymnasium Westerburg. Neben dem Studium an der Universität in Mainz, studierte er an drei weiteren Universität in Dijon, Tübingen und in Medford (USA). Mit dem Titel Magister Artium schloss er 1989 sein Studium in Tübingen ab. 1995 wurde er an der Universität Tübingen promoviert. Sechs Jahre später habilitierte er und wurde zum Privatdozenten ernannt. Über die Jahre schrieb Prof. Schimmelfennig viele Bücher und mehrere Zeitschriftenartikel. Seinen Fokus setzt er auf die Osterweiterung der EU und die damit verbundene Europarisierung, was ebenfalls Thema dieses Vortrags war.

Nachdem Herr Weigand, Schulleiter des Gymnasiums, Dekan Wengenroth und auch Herr Hering die zahlreich erschienenen Gäste begrüßt hatten, begann Prof. Schimmelfennig seinen Vortrag. Er begrüßte die Anwesenden und fing mit einem kurzen Rückblick in die Vergangenheit Europas an. Trotz oder wegen der starken Expansion hatte Europa in den vergangen dreißig Jahren mit vielerlei Krisen zu kämpfen. Neben der Wirtschaftskrise kam ebenfalls die Flüchtlingskrise hinzu. Heute kann man jedoch sagen, dass Europa daran gewachsen ist. Es hat sich viel verändert, jedoch ist Europa im Wandel und steht nicht vor dem Zusammenbruch, wie es viele Kritiker sehen. Ohne die vergangenen Krisen wäre Europa heute nicht da wo es jetzt ist. Die Forderungen der einzelnen Länder aus Europa auszutreten ist gering, es wird sich mehr die Veränderung Europas gewünscht. Herr Schimmelfennig sieht Europa also nicht vor der Wahl zwischen Untergang oder Weitermachen, sondern vor der Wahl welches Europa wir wirklich wollen.

Nachdem Prof. Schimmelfennig seinen Vortrag abgeschlossen hatte, gab es noch die Möglichkeit Fragen zu stellen. Nach einer halbstündigen Diskussionsrunde beschloss Herr Weigand den Abend und bedankte sich noch einmal bei Prof. Schimmelfennig. Ein kleines Geschenk wurde noch überreicht, es gab Kirchenwein und ein Körbchen mit vielerlei Köstlichkeiten aus der Region.

Bevor jeder nach Hause ging, bestand die Möglichkeit sich bei Brezeln und Getränken, die von der SV des Gymnasiums verkauft wurden, über das Gehörte des Abends noch einmal auszutauschen.

Louisa Sophie Weber

Foto: S. Hamman-Gonschorek

Exkursion „Leerstände und Wohnungsnot in Mainz“

Exkursion „Leerstände und Wohnungsnot in Mainz“

Am Morgen des 17.01.19 machten sich die Klasse 10a und der Sozialkunde-Grundkurs 2 der MSS 11 auf den Weg in die Universitätsstadt Mainz. Ziel war, sich der Problematik der Wohnungsnot bei gleichzeitigen Leerständen in Innenstädten zu stellen – ein Thema, das die Schüler*innen selbst wahrscheinlich in wenigen Jahren betreffen wird. Dafür konnten Frau Petry und Herr Henn den Diplom-Geographen Gregor Arnold sowie den Landtagsabgeordneten und Ortsvorsteher der Mainzer Johannes Klomann gewinnen. Herr Arnold hat zu dieser Thematik an der Universität Mainz promoviert, bietet seit Jahren kritische Stadtspaziergänge an und engagiert sich ehrenamtlich in der „Schnittstelle5 e.V.“, die Leerstände für kulturelle Zwischennutzungen vermittelt. Herr Klomann dagegen arbeitet neben seinem Landtagsmandat als Ortsvorsteher der Mainzer Neustadt und ist daher auch Experte auf dem Feld der Stadtentwicklung.

Start- und Treffpunkt mit Herrn Arnold war das Mainzer Rheinufer. Hier schätzten die Schüler*innen den Quadratmeterpreis für eine Mietwohnung in einer solch exponierten Lage, die sich durch den tollen Ausblick, die Nähe zur Innenstadt und der attraktiven Region Rhein-Main auszeichnet, als sehr hoch ein. Dann zeigte er den Schüler*innen ein Wohnhaus, das ebenfalls am Rheinufer gelegen ist. Allerdings stünde dieses Haus seit Jahren leer, was bei den Schüler*innen Verwunderung hervorrief. Herr Arnold erarbeitete mit den Schüler*innen, dass die Vermieter*innen auf steigende Mieten spekulieren bis der gewünschte Gewinn erzielt werden kann. Anschließend machte sich die Gruppe auf zum neu entstehenden Wohngebiet „Zollhafen“ – wie der Name sagt eine ehemalige Hafenanlage. Der Blick auf die Mega-Baustelle mit Baukränen bis zum Horizont sorgte für einen zweiten Wow-Effekt. Der symbolische – weil denkmalgeschützte – Zaun an der Grenze des Neubaugebiets zeigte die Gefahr der Entstehung einer „gated community“- ein sozial geschlossener Wohnkomplex. Am Gartenfeldplatz angekommen, konnten die SuS die Konversion eines städtischen Quartiers sehen. Exemplarisch steht dafür ein drei Meter breites Wohnhaus, das aufgrund der Wohnungsnot in einer Baulücke entstand. Danach folgte eine Abschlussdiskussion über den Wandel von Wohnungen: Waren sie früher Lebensort, werden sie heute als Ware gehandelt.

Nach einer kurzen Mittagspause war nun das Abgeordnetenhaus des Landtags das nächste Ziel der Schüler*innen-Gruppe. Hier erwartete sie Herr Klomann bereits im Fraktionssaal. Nach einem Vortrag von Herr Klomann zur aktuellen Lage in der Mainzer Neustadt konnten die Schüler*innen ihm Fragen stellen, inwieweit Politik der am Vormittag erlebten Stadtentwicklung entgegenwirken kann. Herr Klomann erläuterte, dass die Politik in vielen Fällen machtlos sei, da sie Vermieter*innen nicht zwingen könne, ihre Wohnungen zu vermieten – geschweige denn sie zu enteignen. Es gebe bereits Bundesländer wie Hamburg, die hier aber alternative Wege gehen. So entzieht Hamburg leerstehende Wohnungen Vermieter*innen für die Zeit der Renovierung und vermietet sie; erst dann erhält der Eigentümer sie zurück. Die neuen Mieter*innen können danach nicht mehr so einfach vor die Tür gesetzt werden. Ein weiterer Weg für Mainz sei die Milieuschutzvorschrift, die es der Stadt erlaube, aus ihrer Sicht unnötige Modernisierungen, die zum Teil auf die Miete umgelegt werden können, zu verbieten. Die Beantragung gestalte sich aber sehr schwer.

Herr Klomann erläuterte den Schüler*innen, dass er vor allem in einer finanziell gut ausgestatten kommunalen Wohnbaugesellschaft eine Lösung sehe, die im Vergleich günstige Wohnungen anbieten könne. Hier sei in den letzten Jahren die „Wende“ geschafft worden, dass mehr neue Wohnungen entstünden als aus der Förderung rausfielen.

Nach einem kurzen Ausflug in die Mainzer Innenstadt ging es vom Rheinufer aus mit dem Bus zurück in den Westerwald.

Podiumsdiskussion am 09. November 2018

Podiumsdiskussion am 09. November 2018

„Manche Politiker muss man behandeln wie rohe Eier. Und wie behandelt man rohe Eier? – Man haut sie in die Pfanne.“ – Ungefähr so könnte man die Podiumsdiskussion mit den Worten von Dieter Hallervorden am vergangenen Freitag zusammenfassen.
An dem Tag, an dem sich die Reichspogromnacht zum achtzigsten Mal jährte und das Ende des ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal – gäbe es einen besseren Zeitpunkt für eine kontroverse Diskussion und spitze Fragen an drei Landtagsabgeordnete unseres Bundeslandes?
Hendrik Hering, Präsident des rheinland-pfälzischen Landtags und Abgeordneter der SPD, Ralf Seekatz, der für die CDU sprach und Bürgermeister von Westerburg ist und Dr. Jan Bollinger, fungierend in der AfD als parlamentarischer Geschäftsführer sowie als wirtschaftspolitischer Sprecher, besuchten das Evangelische Gymnasium um die Mittagszeit. Viel Zeit blieb nicht, da landesweiter Schulbesuchstag war und somit auch andere Schulen besucht wurden.
Das Prinzip war ähnlich des letzten Jahres: Es gab drei Themenblöcke. Darunter fielen die Gespräche über die repräsentative Demokratie, Bildungspolitik und in der letzten Viertelstunde durften offene Fragen gestellt werden. Zu jeder Frage blieb den Politikern eineinhalb Minuten Zeit, zu antworten. Nach sechzig Sekunden wurde durch eine Karte symbolisiert, dass jetzt nicht mehr allzu viel Zeit bleibt.
Im Vorfeld bereiteten sich die Schüler*Innen der MSS auf die Fragerunde vor. Im Bereich der Bildungspolitik ging es darum, warum Bildung Aufgabe des Landes ist und inwiefern das sinnvoll ist, wenn die Abschlüsse bundesweit nicht vergleichbar sind und es im Endeffekt Nachteile für Schüler*Innen darstellt. Außerdem wurde Dr. Jan Bollinger dazu befragt, was genau es mit der „Noteninflation“ auf sich hat und inwiefern die AfD sich die attraktivere Gestaltung der Ausbildungsberufe vorstellt. Doch nicht nur um politische Inhalte selbst ging es, sondern auch um persönliches: Ralf Seekatz beispielsweise sollte erläutern, wie er damals zur Politik kam und was das für ihn bedeutete. Im Themenblock zur repräsentativen Demokratie wollte in Erfahrung gebracht werden, ab wann eine Aussage oder ein Verhalten schon verfassungswidrig oder nur populistisch ist.
Alles in Allem brachte die Podiumsdiskussion das mit sich, was sich im Vorfeld von der Schulleitung und den Schüler*Innen erhofft wurde: Fragen wurden sachlich beantwortet, wenn auch nicht immer ganz auf den Punkt gebracht seitens der Politiker. Wichtig war von allen Seiten, dass miteinander gesprochen wird. Natürlich waren Meinungsverschiedenheiten auch zu beobachten, denn dort saßen Vertreter drei verschiedener Parteien. Dennoch ist es in Zeiten des Populismus und des Umbruchs wichtig, alle Seiten wahrzunehmen, zu hören und auch sprechen zu lassen.
„Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.“ – Um an dieser Stelle den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker abschließend zu zitieren: Um die Gegenwart zu sehen und wahrzunehmen, muss sowohl die Vergangenheit betrachtet werden, als auch die Zukunft, und politischer Diskurs hilft, dies zu vereinen. In Zeiten der Vielfalt und der Kontroversität müssen alle Seiten gehört werden, die sich für den Schutz der Demokratie einsetzen. Und wenn sie ein „Wolf im Schafspelz“ sind, dann werden sie von aufmerksamem Schüler*Innen, Lehrer*Innen und Einrichtungen aufgedeckt.
Pauline Fischbach