Erasmus+ Tschechien/Brandys

Erasmus+ Tschechien/Brandys

Erasmus plus-Projekt erfolgreich gestartet

Am 23.04. starteten 12 Schülerinnen und 1 Schüler der Jahrgangsstufen 9-11 in ihr Abenteuer Europa: Sie nehmen am Erasmus plus-Projekt „ Vom Nationalstaat zum vereinten Europa – Europäische Identität heute“ teil. Bis zum 02.05. werden sie sich zusammen mit den Jugendlichen des Gymnázium J.S. Machara in Brandy´s nad Labem – Stara Boleslav mit Fragen zur EU auseinandersetzen: Wie kam es zur Gründung der EU? Was waren die Leitideen damals – und was ist davon heute noch übrig? Welche Rolle spielen unsere jeweiligen Länder in der EU? Was bedeutet die EU uns heute?

Gleichzeitig wird auch der für September geplante Gegenbesuch vorbereitet, bei dem es dann schwerpunktmäßig um die aktuellen Herausforderungen der EU geht (u.a. Brexit, Finanzhilfen für Griechenland, Beitrittswunsch der Türkei). Wie geht das vereinte Europa damit um? Wie bearbeitet die EU diese „Probleme“? Ende des Projekts soll ein gemeinsam entwickeltes Planspiel zur EU und ihrer Arbeitsweise veröffentlicht werden.

Am Montagabend erreichte die deutsche Gruppe Brandys nach einer staufreien Anreise, die sogar kürzer als erwartet ausfiel. Schon auf den letzten Kilometern auf der Autobahn wäre die Aufregung gestiegen, nachdem der Ortsname das erste Mal zu lesen gewesen war. Was würd die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Schule, vor allen Dingen aber natürlich in den Gastfamilien erwarten? Bei sehr milden Temperaturen und Sonnenschein wurden die Jugendlichen herzlich in Empfang genommen und verbrachten einen ersten Kennenlernabend in den Gastfamilien.

Der Dienstag begann mit einem Empfang beim Bürgermeister der Stadt Brandys im neuen Rathaus. Er hieß die Jugendlichem herzlich willkommen und lud sie ein, in den nächsten Tagen die Sehenswürdigkeiten der Stadt sowie der Umgebung zu entdecken. Er lobte das Projektvorhaben und wünschte gutes Gelingen, bevor er jedem Gast ein kleines Geschenk überreichte.

Danach ging es zur Partnerschule. Dort erfolgte die Begrüßung durch die Schulleiterin, Frau Bohumila Kysilkova, die in ihrer kurzen Ansprache die Bedeutung der politischen Bildung und der  grenzüberschreitenden Zusammenarbeit hervorhob. Anschließend lernten sich die Projektteilnehmer bei kleinen Spielen besser kennen, bevor in Kleingruppen die Schule erkundet wurde.

Nach dem gemeinsamen Mittag in der Schulmensa hatten die Jugendlichen Zeit, die Sonne zu genießen, z.B. im Stadtpark oder bei einem Eis im Stadtzentrum. Der gemeinsame Besuch im Jumppark in Prag ließ diesen ersten Tag sportlich ausklingen.

Sportlich ging es auch am nächsten Tag weiter – und außerdem hauptsächlich unterirdisch. Morgens besichtigte die Gruppe den Kalksteinbruch Amerika und lernte Interessantes über die alte Abbautechnik. Danach ging es zu Tschechiens größter Tropfsteinhöhle. Nachdem auch diese erkundet worden war, ging es nach Karlstejn – und dort zur Abwechslung hoch hinaus: die Aussicht über die Umgebung und der Anblick der imposante Anlage der Burg Karlstein, auf der einst Karl IV., König von Böhmen und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation,  gelebt hatte, entschädigte für den anstrengenden Auf- und Abstieg. Voller neuer Eindrücke ging es dann am frühen Abend wieder zurück nach Brandys.

 

Update 27.04.2018:

Heute Morgen hat sich unsere Gruppe vor der Schule in Brandyś versammelt, wo wir gemeinsam in einen Bus eingestiegen sind, der uns daraufhin nach Prag zu dem Bunker Folimanka fuhr. Dieser Bunker und weitere 80 wurden während des Kalten Krieges gebaut, um ca. 60% der Prager Bevölkerung drei Tage lang vor einem Atomkrieg zu schützen. Interessant war, dass dieser Bunker auch heute noch funktionstüchtig ist und im Ernstfall als Schutz dienen kann. Nach der einstündigen Besichtigung sind wir zu der Kirche Cyril und Methoden gelaufen. In der Krypta der Kirche hatten wir die Möglichkeit uns mit den deutsch-tschechischen Geschichte während des Nationalsozialismus zu beschäftigen. In dieser Kirche kämpften die Attentäter auf Heydrich gegen die Übermacht der Deutschen. In der Krypta sind immer noch die Spuren dieses Kampfes zu sehen und die Stätte ist eine der wichtigsten Gedenkstätten in der tschechischen Geschichte. Zur Mittagszeit machten wir uns auf den Weg zu einer Gaststätte und erkundeten währenddessen die Stadt. Anschließend teilten sich Lehrer und Schüler auf, denn unsere tschechischen Gastschüler hatten einen Kinobesuch organisiert. Um 19 Uhr machten wir uns auf den Heimweg und gingen zurück in unsere Gastfamilien. Insgesamt haben wir an dem heutigen Tag neun Kilometer zurückgelegt.

Update 28.04.2018

Gestern fuhren wir zunächst zum Autohersteller Škoda. Dort lernten wir zuerst im Museum die Anfänge der Werksgeschichte kennen. Alles begann mit einer Firma zur Reperatur von Fahrrädern, die aus Dresden stammten. Als die Reperaturfirma auf einen Beschwerdebrief hin aufgefordert wurde, auf Deutsch zu kommunizieren, endete die Zusammenarbeit; die Herren Klement und Laurin aus Böhmen eröffnet ihre eigene Firma. Diese wurde später von der deutsch-tschechischen Familie Schade, tschechisch Škoda, übernommen. Der Rest ist quasi Geschichte… Im Museum wurden uns die ersten motorisierten Produkte bis hin zu Entwürfen für neue Automodelle gezeigt; dann durften wir in den „Showroom“ und in allen verfügbaren Modellen Probe sitzen, ehe wir das eigentliche Firmengelände betraten. Dort besichtigten wir zunächst eine Endmontagehalle; hier verlässt heute alle 2 Minuten ein Auto das Fließband des Werkes. Einige Tausende dieser Fahrzeuge werden auch nach Deutschland exportiert, vor allen Dingen das beliebteste Modell, der Oktavia Kombi. Anschließend besuchten wir noch eine Stanzhalle und erfuhren, wie die Karosserieteile produziert werden – und wie viel Abfall dabei anfällt. Zum Teil sind dies 60%! Zum Glück wird der Abfall eingeschmolzen und receycelt.

Nach der Werksbesichtigung fuhren wir mit dem Bus zur Jeschenkoppe, zu deren Spitze wir mit der Seilbahn gelangten und von der man einen sehr weiten Ausblick über die Stadt Liberec und das Umland hat. Vorbei an den berühmten Skisprungschanzen überwindet die Drahtseilbahn die gut 700 m Höhenunterschied in rund 3 Minuten! Auf der Jeschenkoppe steht ein futuristischer Fernmeldeturm, in dem auch ein Hotel mit Restaurant untergebracht ist. Diesen konnte man auch noch gut von unsrem nächsten Ziel aus sehen: wir machten noch Halt an einer Sommerrodelbahn, bei der jeder die Möglichkeit hatte, die ein oder andere Runde zu fahren. Im Ziel wurden begeistert die Höchstgeschwindigkeiten verglichen; da aber einige Teams gemeinsam die längste Rodelbahn der Region heruntergesaust waren, war der faire Vergleich nicht gegeben.

Am 28.04. trafen wir uns wie gewohnt vor der Schule, um gemeinsam zu dem Schloss von Brandeis zu laufen. Dort fand ein großes Fest anlässlich der „Audienz beim Kaiser“, die mithilfe zahlreicher Komparsen nachgestellt wurde, statt. Zunächst hatten unsere tschechischen Austauschpartner eine Führung durch das Schloss. Unsere verzögerte sich leider, so dass wir erst in den angrenzenden Schlosspark gingen, um die „Audienz“ zu sehen. Kaiser Karl I. fuhr „persönlich“ vor, um diverse militärische Abordnungen aus verschiedenen Epochen der Geschichte zu empfangen. Im Park war auch ein Mittelaltermarkt, auf dem wir uns Kämpfe, Schmuck und andere Attraktionen ansehen konnten. Dann durften auch wir das Innere des Schlosses ansehen, das als Jagdschloss der Habsburger ursprünglich im gotischen Stil gebaut, später aber im Renaissancestil renoviert wurde. Mit Karl I. und Zita residierte hier das letzte Kaiserpaar der k.u.k.-Monarchie – und beide sollen sich sehr wohl gefühlt haben. Nach der Führungen gingen wir alle gemeinsam in der nahegelegenen Schule Pizza essen. Danach konnten wir nochmal in den Park und zu dem Markt, um uns anschließend in der Schule ganz konkret mit unserem Projekt zu befassen. Dafür verteilten wir EU-politische Themen, die zwischen unserem Besuch hier und dem Gegenbesuch im September bearbeitet werden und somit die Projektarbeit in Deutschland vorbereiten.

Den Abend ließen wir danach gemeinsam mit den Eltern und Geschwistern unserer Gastschüler beim Grillen, Spielen und Reden ausklingen. Zudem wurde am Lagerfeuer gemeinsam gesungen; neben internationalen Hits von Adele oder Ed Sheeran, die alle mitsingen konnten, wurden auch wechselseitig tschechische bzw. deutsche Lieder vorgetragen. Ein „Highlight“ des Abends war sicher die zweisprachige Version des Titellieds zur Serie „Biene Maja“!