Ein Licht für auf den Weg…

... in die Freiheit

Ein Licht für auf den Weg…

Am 29.03.2019 wurden die Abiturientinnen und Abiturienten des Evangelischen Gymnasium Bad Marienberg verabschiedet und auf ihren Weg in die Welt hinaus geschickt.

Das diesjährige Motto „Prison Break – Abi n die Zukunft“ vermittelt zwar den Eindruck, als ob sich die jungen Menschen endlich erfolgreich „befreit“ hätten, aber bei gemeinsamen Erinnerungen an die vergangenen Jahre am EvGBM konnten doch auch positive Aspekte der „Haft“ entdeckt werden. Durch eine rührende Ansprache wurde auch nochmals Hermann Raffelsiefen gedacht, dessen plötzlicher Tod auch und besonders die heutigen Abiturientinnen und Abiturienten in tiefe Trauer versetzte; verloren sie doch einen Lehrer und Freund, der sie seit dem Beginn ihrer Schullaufbahn am EvGBM begleitet hatte.

Der Blick richtete sich jedoch nicht nur in die Vergangenheit, sondern schaute auch in die Zukunft. Für diese so ungewisse Zeit, ist das Licht gedacht, das allen Abiturientinnen und Abiturienten mit auf den Weg gegeben wurde: ein Symbol dafür, dass alle ehemaligen Schülerinnen und Schüler zwar nun ihren eigenen Weg gehen werden, aber dennoch nie alleine und ohne Hilfe sein werden.

Anschließend wurde im Forum der Realschule plus weitergefeiert, wo die 71 Abiturientinnen und Abiturienten ihre Zeugnisse erhielten. Zuvor richteten Schulleiter Dirk Weigand und MSS-Leiter Stefan Buchner sich in einem Grußwort an die Absolventinnen und Absolventen und griffen dabei deren selbstgewähltes Motto „Prison Break – we`re gonna ABI free“ auf. Wie schon im Gottesdienst deutlich wurde, bringe Freiheit auch Verpflichtungen mit sich, betonte Buchner. In diesem Sinne stimme es ihn optimistisch zu sehen, dass Jugendliche und junge Erwachsene auf den FridaysForFuture-Demonstrationen ihre Freiheit nutzten, um sie friedlich für das Allgemeinwohl zu nutzen. Gerade im Zeitalter der Fake News und des Rechtspopulismus, wo Freiheit zur Bekämpfung der Freiheit anderer missbraucht werde, sollten die Abiturientinnen und Abiturienten ihr Reifezeugnis nicht nur als Eintrittskarte in die Freiheit, sondern auch als Verpflichtung sehen.

Auch Weigand rief dazu auf, die Freiheit in diesem Sinn zu verstehen. „Eine Person, die tun und lassen kann, was sie will, ist nicht frei“, so seine Mahnung mit Bezug auf Kant. Max Webers Gesinnungsethik gebe den wichtigen Hinweis, dass Freiheit und Verantwortung erst dann zusammen treffen, wenn jeder die Folgen seines eigenen Handelns bedenkt.

Als Sprecher des Abiturjahrgangs ließ Benjamin Weber auf amüsante Weise die Schulzeit Revue passieren. Dabei dankte er den Lehrern und besonders den Eltern für ihr Engagement, mit dessen Hilfe das Abitur nun geschafft sei. Mit leichtem Wehmut nehme er, genau wie seine Mitabiturientinnen und Mitabiturienten, jetzt Abschied von der Schule: Das Evangelische Gymnasium Bad Marienberg sei ihnen im Laufe der Jahre doch sehr ans Herz gewachsen. Als Ausblick kündigte er aber bereits jetzt ein Jahrgangstreffen 2029 auf eine Gulaschsuppe in der Mensa an.

Oberkirchrat Stefan Knöll überbrachte im Namen der EKHN die herzlichen Glück- und Segenswünsche v.a. von Kirchenpräsident Volker Jung. In seinem Grußwort erinnerte Knöll daran, dass die lebenslange Kernfrage jenseits aller Noten, aber auch jenseits aller Rollenbilder und aller Profile in den sozialen Netzwerken die Frage sei, die Bonhoeffer bereits 1944 im Gefängnis formuliert hatte: Wer bin ich wirklich? In seinem Gedicht kam er zu dem Fazit: „Wer ich auch bin: Dein bin ich, du kennst mich, oh Gott.“ Diese Wahrheit sei den Abiturientinnen und Abiturienten an dieser evangelischen Schule immer wieder in Gottesdiensten und im Unterrichtsalltag vor Augen geführt worden. Jeder Mensch besitze als Ebenbild Gottes eine einzigartige Würde und Wert von Gott: Das sei die eigentliche menschliche Identität. Dieses Wissen, so sein Wunsch, sollten die Abiturientinnen und Abiturienten nun mitnehmen in die Zukunft.

Mit der Entwicklung einer Raupe zum Schmetterling verglich Matthias Schütz, Vorsitzender des Schulelternbeirats, die Entwicklung der heutigen Schulabgängerinnen und –abgänger in Kindergarten und Schule. Auch das Ringen um Freiheit, die beim werdenden Schmetterling durch dessen Anstrengung im engen Kokon zum Ausdruck komme, sei Bestandteil dieser Entwicklung. Den Abiturientinnen und Abiturienten seien jetzt nach der Anstrengung der Schulzeit wie dem Schmetterling im Kokon gleichsam Flügel gewachsen: Diese Flügel wollten jetzt genutzt werden, um sie im je eigenen Flugstil zu ihrem persönlichen Lebensziel zu tragen – und dabei wünschte Schütz ihnen die Erfahrung, die bereits König David von vielen Jahren gemacht hatte: „Nehme ich die Flügel des Morgenrots und lasse mich nieder am äußersten Meer, auch dort wird deine Hand mich ergreifen.“ (Ps 129,9f.)

Silke Schneider vom Förderverein des Evangelischen Gymnasiums Bad Marienberg betonte die in der Oberstufe geförderte Urteilsfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen; für dieses Ziel unterstütze der Förderverein die pädagogische Arbeit der Schule gerne weiterhin finanziell. Bereits jetzt lud sie zu einem Wiedersehen auf dem jährlichen Sommerfest des Fördervereins am 6.9. dieses Jahres ein.

Wie Schulleiter Dirk Weigand anfangs dargelegt hatte, seien die Noten im Abiturjahrgang mehr als zufriedenstellend, da mehr als 40% der Abiturientinnen und Abiturienten mindestens die Durchschnittsnote 2,5 erzielt hatten. Die Debatte in der Gesellschaft über Zeugnisnoten und Bewertungen sei allerdings oft zu eindimensional: Sie alle würden jenseits aller Noten mit ihrer nun attestierten Reife in der Gesellschaft gebraucht. Nichtsdestotrotz blieb es ungenommen, einzelne Abiturientinnen und Abiturienten für besondere Leistungen auszuzeichnen. Für vorbildliche Haltung und beispielhaften Einsatz in der der Schulgemeinschaft erhielt Philipp Schäfer ein Buchpräsent des Landes Rheinland-Pfalz. Im Namen des Westerwaldkreises wurde Melvin Dix als Jahrgangsbester mit der Traumnote 1,1 geehrt. Stadtbürgermeisterin Sabine Willwacher durfte Hannah Theis zu besonderen Leistungen im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich gratulieren. Gleich sieben Abiturientinnen und Abiturienten durften Matthias Schütz und Oliver Thinius als Vertreter der Malteser für ihr besonderes Engagement im Schulsanitätsdienst auszeichnen: Adrian Schaub, Bob Held, Celine Hüfken, Marisa Lauszat, Valerie Nuding, Ina Schneider und Philipp Schäfer. Für besondere Leistungen in einzelnen Fächern überreichte auch Silke Schneider im Namen des Fördervereins Buchpräsente an Melvin Dix (Naturwissenschaften); Hannah Theis (Deutsch), Melissa Diels (Sprachen) und Silas Langenbach (Mathematik). Ebenso erhielten Marisa Lauszat und Gerrit Schell (Philosophie), Johanna Geuther (Geschichte), Melvin Dix, Joshua Hermann, Hannah Theis, Noel Weber, Leon Heymann, Bob Held, Luca Krempel, Silas Langenbach und Mina Pommeranz (Physik), Hannah Theis und Jamie-Ann Kühn (ev. Religion/EKHN) und Jessica Riemer (Biologie) Auszeichnungen von den Fachschaften des Lehrerkollegiums in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Landesverbänden.

In guter Tradition wurde die Feier, die die Abiturientinnen Celine Hüfken und Kim Heuzeroth gekonnt moderierten, musikalisch umrahmt von der Swing Combo unter Leitung von Marco Jeuck und der Schüler-Lehrer-Band mit einem brillanten Gerrit Schell am Mikrofon. Besonderes Highlight war, dass zusätzlich die Abiturientinnen und Abiturienten in der Swing Combo spontan alleine auftraten. Auch Carla Leukel an der Geige, begleitet von Musiklehrerin Dorothea Kempf am Klavier, bewies das musikalische Können des Abiturjahrgangs. Im abschließenden Stück „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen brachten noch einmal alle Abiturientinnen und Abiturienten das Besondere dieses Tages zum Ausdruck, bevor sie in Zukunft – ausgestattet mit ihren Reifezeugnissen – ihr Leben in der neu verantworteten Freiheit gestalten können.